Marina

Das Mädchen aus Kiew

  • 1995 war Marina als „Tschernobyl-Kind“ zu Gast in Thüringen, um sich zu erholen. Für mein Zeitungspraktikum schrieb ich einen Artikel über die Elfjährige. Wir wurden Brieffreundinnen, sie schickte bunte Kaugummipapierchen, ich Bilder aus der Bravo.
  • 1999 besuchte ich sie in Kiew, gemeinsam mit einem Freund. Marinas Schwester räumte ihre Wohnung im Neubaublock, damit wir darin übernachten konnten. Die Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Großzügigkeit waren überwältigend. Später schickten wir uns gegenseitig Fotos und tauschten Jungsgeschichten aus.
  • Irgendwann zwischen Studium, Umzügen, Jobs und Alltag blieb der Kontakt auf der Strecke, die Briefe aus. Manchmal dachte ich an die große Stadt im Wandel und die kleine Familie, die ich dort kannte.
  • 2017 erhielt ich eine Nachricht auf Facebook, „Ich bin Marina, das Mädchen aus Kyiv – erinnerst du dich?“. Natürlich erinnerte ich mich. Marina hatte mittlerweile zwei Kinder, ihren Traumberuf und einen Meistergrad im japanischen Schwertkampf. Wir schrieben ein bisschen, nahmen über Statusbilder und Likes am Leben der anderen teil.
  • 2022, an einem Donnerstag im Februar, setzte sich Marina in das Auto ihres Vaters – mit ihrem Sohn, ihrer Tochter, den wichtigsten Dokumenten und einem Koffer voller Kleidung. Sie verließ die Wohnung, in der wenige Tage zuvor noch Freunde zum Essen zu Gast waren. Sie verließ die Straßen, in denen sie sonst immer mit dem Hund spazieren geht. Sie verließ das Viertel, in dem sie sich als selbstständige Designerin einen Namen gemacht hat. Sie verließ die Stadt, in der sie studiert und geheiratet hatte. Sie verließ das Land, das sich mit ihr verändert hat in all den Jahren. Sie verließ ihre Heimat, weil die gerade bombardiert wird.
  • Am Donnerstag, dem 3. März, kommen Marina und ihre Kinder hier an. Außer dem, was ins Auto passte, haben sie nichts.

Ich erinnere mich daran, wie wir als Gäste damals umsorgt wurden in Kiew – was man uns zeigte, schenkte, möglich machte. Ich möchte etwas zurückgeben und einen kleinen Beitrag leisten, Dinge besser zu machen in dieser großen, vertrackten Scheiß-Situation. Deswegen habe ich eine Wohnung in meiner Nähe organisiert, in der sie unterkommen können, und dieses Spendenprojekt ins Leben gerufen.

Sicher gibt es bald staatliche Hilfen, und auch bei der Beantragung dieser werde ich Marina begleiten. Momentan aber muss die angemietete Wohnung bezahlt werden (550€/Monat, 300€ Kaution), und die ersten Schritte nach der Ankunft müssen finanziert werden: Lebensmittel, Kleidung, Handykosten etc.

Wenn Du dazu etwas beitragen kannst und möchtest, würde mich das sehr freuen.

Ich werde über alle Einnahmen und Ausgaben und alle aktuellen Entwicklungen hier auf der Seite informieren. Niemand weiß, wie lange dieser Krieg dauern wird. Deshalb weiß ich auch nicht, wie lange Unterstützung nötig ist.

Wenn Geld „übrig“ bleibt, kann ich dieses entweder an die Spender*innen zurückzahlen oder Marina überlassen, damit sie damit ihre in der Heimat zurückgebliebenen Eltern und Freunde unterstützt. Bitte gib mir dazu bei der Überweisung kurz eine Info, ob das okay ist („Weiterführende Verwendung erlaubt“).

Wenn Du sonst Fragen hast, dann schreibe mir diese gerne; ich werde versuchen, sie so schnell und ausführlich wie möglich zu beantworten.

Ich weiß, dass ich tolle Menschen kenne – von überall her, mit den verschiedensten Lebensläufen und Glücksmodellen, andersartigen politischen Einstellungen, unterschiedlichen Definitionen von Besitztum und Wohlstand. Etwas sehr wichtiges jedoch haben wir alle gemeinsam: einen inneren Wertekompass, der uns in Situationen wie diesen zusammenhalten und aktiv werden lässt. Er basiert u.a. auf Empathie, Gerechtigkeitsempfinden und einem Solidaritätsverständnis, das über die Änderung eines Facebook-Profilbilds hinaus geht. Dafür bin ich dankbar – und das macht mich zuversichtlich, dass wir gemeinsam etwas Gutes schaffen können.

DANKE für Deine Unterstützung!!!

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ahoi@janka-kreissl.de
Betreff: Marina
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ich sende sie dir zu.
Kiew, 1999