Marina

„Du hast so viele Sorgen wegen uns“

Montag, 7. März:
Ihr tollen Menschen da draußen… Eure Hilfsbereitschaft, das viele Wissen, die Solidarität, finanzielle Unterstützung, all die Angebote – das macht einen so großen Unterschied in dieser Situation! Hier kommen die ersten Pakete mit Kleidung und Geschenken an, es werden Gutscheine besorgt und ÖPNV-Pläne ausgedruckt, und all das wird wirklich etwas verändern!

Ich möchte keine Fotos veröffentlichen (und habe auch tatsächlich fast noch keine gemacht, weil es sich nicht richtig anfühlt), aber glaubt mir: S. das erste Mal rumtoben zu sehen, und sein unbeschwertes Lachen zu hören, als er mit dem Nachbarshund Ball spielte – das war ein wunderbares Gefühl, und es hat mich wahrscheinlich genauso glücklich gemacht wie ihn. M. dabei zu beobachten, wie sie auf meinem Sofa sitzt und konzentriert ihr deutsches Manga liest, Wort für Wort mit dem Handy übersetzend – das zeigt, wie wichtig es ist, dass sie diese vermeintlich kleinen Dinge haben.

Struktur, Beschäftigung, Antworten, Freude, Zuversicht – all das ermöglicht ihr gerade. Und dass ihr alle Zeit, Energie und Geld hergebt, ist durchaus nicht selbstverständlich – denn wie wir wissen, waren die vergangenen Monate auch nicht so einfach. Umso mehr danke ich euch für das, was ihr tut.

Marina schrieb mir heute „Du hast so viele Sorgen wegen uns“, und ich antwortete ihr „Nein, IHR habt Sorgen – und ich versuche, euch ein paar davon abzunehmen.“ Korrekt wäre gewesen: Wir alle versuchen, sie ihr abzunehmen.

Von ihrem Vater gibt es noch keine Nachricht. Der Vater ihrer Kinder immerhin ist in Sicherheit, und noch nicht im Kampf. Ob sich für die Mutter noch einmal eine Chance bietet, Kyiv zu verlassen – man weiß es nicht. Noch steht ihre Wohnung, noch lebt der Hund. Existiert Marinas Zuhause noch? Niemand konnte es ihr bisher sagen. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, sind das die ersten Fragen, die ich stelle. Und jedes Mal habe ich Angst vor der Antwort.

Morgen immerhin wird es Antworten auf andere Fragen geben – rund um Innenarchitektur. Bald steht außerdem der Termin für die offizielle Registrierung an, und immer wieder werde ich in den kommenden Tagen eure Pakete und Spenden bei den dreien abliefern. Was an Kleidung nicht passt, bringen wir ein paar Stadtteile weiter ins Flüchtlingslager, das sich täglich füllt. Neulich waren wir auf der Suche nach Infos kurz dort – an dem umzäunten Gelände mit den tristen Baracken. Und plötzlich kam mir die zweckmäßige Monteurswohnung vor wie ein Palast.

Finanzen:
Einnahmen: 5815€ von 58 Spendern 
Ausgaben: 107,66€ für Kleidung, 
Lebensmittel, Bücher

Sachspenden:
Wir koordinieren jetzt alles 
konkrete in der WhatsApp-Gruppe - 
aktuell gibt es erstmal keinen 
akuten Bedarf darüber hinaus. 

Wissen: 
Auch hier läuft gerade viel an - 
dank euch sind tolle Kontakte 
entstanden und Quellen angezapft 
worden. Zudem habe ich eine sehr 
gute Seite gefunden, die Infos & 
Anlaufstellen speziell für Leipzig 
auflistet. Aktuell also kein To Do :)

Wer zu irgendwas Fragen hat - 
schreibt mir!